An der Muttergottes-Statue in
Knechtsteden brennen immer
sehr viele Kerzen - Ausdruck der
vielen Anliegen, in denen ihre Hilfe
erhofft wird.
(Foto: Gerwens)


 

In diesen Tagen kann man beim Blick auf die vielen Probleme in der Welt ja manchmal ‚et ärme Dier‘ kriegen – spätestens wenn man die Nachrichten schaut und es schon wieder irgendwelche neuen Hiobsbotschaften gibt. Da fällt es zuweilen schwer, sich eine persönliche Unbeschwertheit für unseren eigenen Alltag zu bewahren und das Positive in unserem Leben und um uns herum nicht ganz aus dem Blick zu verlieren.

Bei der Knechtsteden-Wallfahrt der Frauen Ende März haben wir bei der Statio vor der Basilika einen etwas anderen Blick auf Maria geworfen, der uns vielleicht auch im Marienmonat Mai eine Lebenshilfe sein kann.

Maria hat sehr vieles in ihrem Leben erfahren mit ihrem Sohn Jesu; dabei musste sie auch manches Leid erdulden und ohnmächtig zusehen. Aber sie hat sicher auch vieles Schöne erlebt. Und in der Bibel gibt es einen Ausspruch über sie, der uns vielleicht gerade in diesen Zeiten mit vielen Problemen in der Welt weiterhelfen kann:

Im Lukasevangelium wird im zweiten Kapitel über die Geburt Jesu und die Ereignisse im Stall von Bethlehem berichtet. Nachdem die Hirten wieder gegangen waren, steht dort: „Maria aber bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ (Lk 2, 19).

Und vielleicht ist es etwas Wertvolles, was wir von Maria lernen können: Auch wir haben im Laufe unseres Lebens schon vieles erlebt – Schönes und auch manches, auf das wir nur zu allzu gerne verzichtet hätten. Aber gerade für das Schöne können wir uns an Maria orientieren: Auch wir können das in unserem Herzen bewahren.

Und wenn Sie einmal Ihre Gedanken schweifen lassen: Was gab es da alles an Schönem, das wir erleben durften, an das man sich auch gerne erinnert? Das können vielleicht bestimmte Menschen sein, oder auch Ereignisse oder bestimmte Erlebnisse – wobei das gar nicht unbedingt was besonders Großes sein muss; oft rühren uns die kleinen Dinge im Leben ja auch besonderes an. Vielleicht gibt es auch Glaubenserfahrungen und Momente, wo „der Himmel offen stand“ und die man am liebsten 'einfrieren', für immer festhalten möchte. Oder auch einfach nur bestimmte Orte sein, an denen unser Herz hängt. Es gibt da viele Möglichkeiten und eine große Bandbreite für das, was uns im Laufe der Zeit und in der Erinnerung wertvoll geworden ist.

Während unsere Gedanken gerade so durch die Zeit reisen - es ist ähnlich, wie wenn wir in einem alten Fotoalbum blättern und in unseren Erinnerungen schwelgen, die mit den Bildern verbunden sind. Und dann sind wir wieder bei Maria – und dem, was wir an Schönem in unserem Herzen bewahren möchten. Dafür müssen wir auch erst gar nicht ein Fotoalbum aus dem Schrank holen (oder digital auf dem Laptop oder Handy suchen), sondern auf das haben wir jederzeit und überall Zugriff – wenn wir uns nur dessen immer wieder bewusst machen.

Es ist die "Schatzkiste unseres Herzens", in der wir all diese Schätze aufbewahren können und die uns auch keiner mehr nehmen kann. Und vielleicht gerade dann, wenn uns mal gerade wieder alles zu viel wird, wenn wir "et ärme Dier kriegen" und melancholisch werden – vielleicht ist gerade dann der richtige Moment, sich vielleicht mit einem leckeren Kaffee dabei ein paar Minuten Ruhe zu gönnen, um abzuschalten, die Welt 'da draußen' solange zur Seite zu legen und mal wieder in dieser "Schatzkiste unseres Herzens" zu stöbern. In den Erinnerungen zu schwelgen, die uns in bestimmten Momenten unseres Lebens so wertvoll geworden sind.

 

(Fotos und Titelbild 1. Seite: Pixabay)

Neudeutsch ist ja heute oft von ‚Resilienz‘ die Rede, das heißt von der Fähigkeit, auf Probleme und Probleme zu reagieren und sie zu bewältigen. Schon seit 2000 Jahren haben Christen dafür zumindest ein Rezept bzw. Vorbild, nämlich das Leben der Muttergottes. Sie hat sich über die Jahre zusammen mit ihrem Sohn Jesus eine innere Stärke, all die Probleme und schwierigen Lebenssituationen mit ihm und um ihn herum auszuhalten – und sie wusste sich, spätestens seit der Verkündigung durch den Engel Gabriel – bei all dem getragen von Gott. Und das hat ihr die Stärke gegeben, nicht davor wegzulaufen (wie es ja fast alle Jünger Jesu getan haben), sondern sie hat ausgehalten bis zum Tod ihres Sohnes am Kreuz und darüber hinaus. Auch die Pieta in der Basilika in Knechtsteden gibt ein Zeugnis dafür.

Insofern probieren wir es doch mal aus und stellen wir die "Schatzkiste unseres Herzens" vielleicht in Gedanken etwas präsenter für unseren Alltag bereit, damit wir sie im Bedarfsfall öffnen und durchstöbern können – bevor unsere Gedanken in eine Abwärtsspirale geraten und wir mit dem Leben hadern.

Ein bisschen ist es vielleicht so wie in der Geschichte der kleinen Feldmaus Frederick, der Sonnenstrahlen, Farben und Wörter für die kalten, dunklen Wintertage gesammelt hat und damit dann seine Mäusekollegen beglücken konnte.

Und wir dürfen sicher sein, dass Maria uns mit ihrem Segen dabei begleitet.

 


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